Die Jahre 1953-laufend: K.Ö.M.L. Tegetthoff von der Wiedergründung bis heute1)

Es ist erstaunlich, wie die oft wenigen Personen, die sich zu einer Corporation zusammenschließen, dieser im Laufe ihres Bestehens eine bewegte und aufregende Geschichte bereiten können. Die Verbindung wurde am 21. Mai 1953 reaktiviert. Sie war also wieder da, die Tegetthoff, diesmal als 'Katholisch-Österreichische Mittelschul-Landsmannschaft', also in der Gestalt einer rein pennalen Verbindung. Es ist interessant, wer in der Wiedergründungsphase zu ihr stieß:
Da waren beispielsweise die 'alten Tegetthoffer' vor 1936 wie Hans Pittioni vlg. Wiegand (Gründer 1925) und Univ.Prof. Dr. Willibald Plöchl vlg. Dr. Ulfilas (Gründer 1925), Ing. Egon Mangold vlg. Cosinus (recipiert 1925), Rüdiger Freiherr von Petz vlg. Paragraph (recipiert 1932), Ing. Rudolf Krasel Edler von Almwehr vlg. Bacchus (Gründer 1925), sowie ehemalige Mitglieder des Corps Ottonen - die noch 1945 beschlossen hatten, sich nicht mehr zu reaktivieren - wie MinR Franz Schidler vlg. Dr.cer.Sissy, Mjr aD Paul Wernberger vlg. Udo und Dr. Karl von Portele vlg. Rolf II.
Neben einer ganzen Reihe von Hochschullandsmannschaftern waren in der Reaktivierungszeit auch damals bekannte MKVer wie z.B. Dr. Herbert Machatschek vlg. Ekkart, Emanuel von Stockart-Bernkopf vlg. Fritwin und die Brüder Wilhelm und Johann Urban dabei. Schidler bekleidete von 1953 bis zu seinem Tod 1972 die Funktion des Philister-Senior. Seine Amtszeit wurde in dieser Zeitspanne nur kurz für 4 Monate unterbrochen.
Ein wesentlicher Grund für die Wiedererrichtung Tegetthoffs mit all ihren äußeren Zeichen, Liedern und Symbolen der Vorkriegszeit lag darin, eine Aufnahme in den Mittelschülerkartellverband (MKV) zu erwirken, um dort eine Sammelverbindung für alle monarchistisch bzw. legitimistisch gesinnten Pennäler zu sein. Dass die Aufnahme in den MKV mit unendlichen Schwierigkeiten verbunden war, liegt auf der Hand. So wurde auch der Wahlspruch 'Glaube, Kaiser, Österreich' in 'Glaube, Treue, Österreich' geändert, um in den MKV aufgenommen zu werden.
Die Proponenten und ersten Spitzenchargen Tegetthoffs waren als Senior Karl Fürst vlg. Fips, der damals die Funktion des WStV-Seniors des MKV innehatte, Dr. Rolf Otto Urrisk vlg. Barbarossa als Consenior und Karl Schidler vlg. Dr.cer. Sissy als Philister-Senior. Am 30. Oktober 1953 konnten die ersten drei Füchse aufgenommen werden, unter ihnen Karl Fürst Schwarzenberg vlg. Kary, der später auch Fuchsmajor war.
Trotzdem war die Wiedergründung nicht ganz problemlos. Obwohl die probeweise Aufnahme in den MKV am 04. Juni 1954 beschlossen worden war und im selben Jahr Tegetthoff mit den akademischen Bünden nach Pöcking fuhr, um Otto von Habsburg das bereits 1925 verliehene Band endlich zu überreichen, gab es nach dem prächtigen Weihnachtskommers 1954 einen Zusammenbruch des Verbindungsbetriebes. Einerseits gab es ja immer noch das Misstrauen des MKV wegen der monarchistischen Einstellung, anderseits 'verteilten' die Tegetthoff-Konvente zahlreiche Ehrenbänder an Kartellbrüder, die bei ihr mitarbeiten wollten, aber dafür ihre Urverbindung vernachlässigten.
Für den 20. Jänner 1955 wurde sogar ein CC mit der Tagesordnung 'Auflösung' einberufen. Es fand sich dann doch ein arbeitsfähiges Chargenkabinett, das den Betrieb auf der Bude in Wien 9., Van Swieten-Gasse 24, aufnahm. Diese 'Bude' war eigentlich ein über den Gang getrenntes Extrazimmer des Gasthauses Bey, in das sich die K.Ö.L. Josephina eingerichtete hatte und Tegetthoff bei sich aufgenommen hat. Von nun ging es bergauf.
Im Oktober 1955 wurde sogar die erste Verbindungszeitung, die auch regelmäßig erschien, herausgegeben. Ihr programmatischer Name lautete 'Die Kommandobrücke', den Artikel zum Geleit der ersten Nummer schrieben der Consenior Karl Schwarzenberg vlg. Kary und der Reaktivierungs-Consenior Dr. Rolf Otto Urrisk vlg. Barbarossa. Ab November 1957 zeichnete Ernst Hans Kühne vlg. Dr.cer. Cerberus redaktionell verantwortlich, der für das Blatt einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte. Die 'Kommandobrücke' erschien bis 1968. Seit 1961 stand ihr 'Das Beiboot', zur Seite, das Bb Brutus für die Verbindung mit Unterbrechungen bis 1977 herausbrachte und das man sehr stark mit seinem Namen verknüpfte. 1978 wurde mit 'Tegetthoffs Bordjournal' eine neue Verbindungszeitung kreiert, die bis zum Februar 2021 erschien und nach 43 Jahren mit der 200. Ausgabe eingestellt wurde. Seit 2020 wird gemeinsam mit K.Ö.L. Carolina von Bb DDr.cer. Raffael die Online-Verbindungszeitung 'Der Blech-Bote' herausgegeben. Tegetthoff ist am Sektor Verbindungszeitungen mit Sicherheit eine der profiliertesten Corporationen.
Die Verbindung entwickelte sich kontinuierlich weiter. Am Pennälertag 1956 wurde sie endlich in den MKV aufgenommen. Ungefähr zur selben Zeit begann Tegetthoff damit Damen, die sich um die Verbindung verdient gemacht haben, mit Conventsbeschluss zu Couleurdamen zu ernennen und mit einer Couleurbrosche zu ehren. Das ist insofern bemerkenswert, als die älteste heute noch bestehende Mädchenverbindung (Puellaria Arminiae zu Hollabrunn im VfM) erst mehr als 20 Jahre später gegründet wurde und das Freundschaftsabkommen des VfM und später des VCS sowie deren Aufnahme in den EKV noch Jahrzehnte später für Diskussionen bei der Kartellversammlung sorgte. Die Tegetthoffer standen aber großteils Damen im Couleur und eigenen Damenverbindungen stets positiv gegenüber.
1956 wurde auch die ursprüngliche Fahne Tegetthoffs in der Piaristenkirche geweiht. Sie verschwand leider Mitte der 1990er Jahre bei Renovierungsarbeiten auf der Bude in der Blechturmgasse. An sie erinnern nur mehr das Fahnenmutterband, die Patronanzbänder und Fahnenbänder anderer Verbindungen. Als Ersatz wurde mit Hilfe von Spenden eine neue Verbindungsfahne angeschafft und am 15.6.1996 anlässlich der Stiftungsfestmesse in der Kapuzinerkirche gesegnet.
Im Sommer 1958 versuchten Bundesbrüder von Tegetthoff eine Mittelschullandsmannschaft Aquae in Baden zu gründen (Farben: Blau-gold-schwarz; Fuchsenfarben: Blau-gold; Mütze: Hellblau, Biedermeierformat), ohne damit beauftragt worden zu sein. Nach etwa 2-3 Semestern erlosch diese Verbindung.
1960 bezog Tegetthoff eine neue Bude. Im Hof des Hauses Waaggasse 11 im 4. Bezirk gab es ein kleines Häuschen, das von Bb Burghauptmann Hofrat Dipl.Ing. Otto Sehorz vlg. Dr.cer. Dankwart für diesen Zweck ausgebaut wurde. Im selben Jahr fand unter Führung Tegetthoffs eine große Fahrt vieler MKVer nach Pöcking statt, um Dr. Otto von Habsburg zu besuchen.
Im Jänner 1965 wurde versucht mit dem K.Ö.M.L.C. Victoria zu fusionieren. Dies misslang, einige Victoren traten aber Tegetthoff bei.2) Das 40. Stiftungsfest 1965 fand in feierlichem Rahmen statt, Tegetthoff konnte groß in der Öffentlichkeit auftreten. Dennoch kam wieder ein Wellental und der CC vom 1. Juli 1969 hat die Sistierung der Aktivitas beschlossen.
Mit Beharrlichkeit, guten Entscheidungen und ein wenig Glück gelang es einigen Bundesbrüdern die Verbindung wieder aufzubauen. Der CC vom 18. April 1973 hatte die Reaktivierung der Aktivitas beschlossen, es erfolgte die Wahl des Aktiven-ChC für das SS 1973. Und schließlich wurde noch 1973 in Wien 4., Blechturmgasse 20 ein Kellerlokal als neue Bude organisiert. Es gelang mit Hilfe von Bb Baurat Dipl.Ing. Dr. Adalbert Kallinger vlg. Bela sie zur einer der damals schönsten Buden im Wiener MKV auszubauen. Zeitgleich bezog auch der WStV des MKV für einige Zeit die angrenzenden Räumlichkeiten.
Auf der neuen Tegetthoffbude herrschte von Anfang an reger Betrieb. Mindestens einmal pro Woche fanden Budenabende, Kneipen, Conventen oder Wissenschaftliche Abende statt. Einer der diesbezüglichen Höhepunkte war der Vortrag unseres Ehrenbandträgers S.K.H. Dr. Otto von Habsburg-Lothringen zum Thema 'Europas Weg ins Jahr 2000 – Utopie und Wirklichkeit' im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50. Stiftungsfest im Jahr 1975.
Neben den üblichen Verbindungsveranstaltungen gab es damals auch monatliche Numismatische Runden die vom langjährigen Kassier Karl Paal vlg. Dr.cer. Carolus organisiert wurden, fallweise philatelistische Tauschtage und des Öfteren auch Partys. Eine davon war das unter dem Motto 'Hafenkneipe' jährlich stattfindende Gschnas. Beendet wurde der Fasching traditionell mit einem Heringsschmaus. Zu Ostern hielten Chargierte in der Kirche Grabwache und zu Fronleichnam nahmen sie am Umzug teil. Zum Nationalfeiertag fand meist ein Preisschießen statt. Besonders erwähnenswert war auch die tolle Hilfsaktion 1976 für die Opfer des Erdbebens in Friaul.
Als die Schulzeit der ersten Aktiven aus der Reaktivierungsphase zu Ende ging und einige daran dachten nach der abgelegten Matura im Jahr 1976 mit einem Studium zu beginnen, überlegte BPh Wolf für und gemeinsam mit diesen jungen Tegetthoffern eine neue Hochschulverbindung zu gründen. Diese Idee wurde auch von Newton und anderen Bundesbrüder unterstützt. Aufgrund der Initiative von Dr.cer. Brutus beschloss man stattdessen die komplett sistierte K.Ö.L. Carolina wiederzugründen, welche einige Jahre auf der Tegetthoffbude beherbergt wurde, bevor sie Ende 1977 eine eigene Bude im selben Haus bezog. Da sich an der Reaktivierung Carolinas rund ein Dutzend Tegetthoffer beteiligt haben und Carolina – ebenso wie Tegetthoff – eine Tochterverbindung e.v. K.Ö.L. Maximiliana ist, wurde der Bändertausch mit der Schwesterverbindung Carolina beschlossen und bei einem Festkommers im Oktober 1978 durchgeführt.
Auch der laufende Verbindungsbetrieb konnte sich sehen lassen, wie aus den Budenbüchern ersichtlich ist, welche in dieser Zeit vorwiegend von Bb Raffael mit mehr als 250 eigenhändigen Zeichnungen illustriert wurden. So fanden unter anderem gemeinsam mit Verbindungen aus der Umgebung Wieden-Kneipen statt, es gab Krambambuli-Kneipen bei denen ein legendärer Schnaps-Krambambuli gebraut wurde oder das Törggelen und das Oktoberfest, welche von Bandphilistern aus Tirol bzw. mit familiären Bezug zu Bayern nach Wien importiert wurden und sich zu jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen etablierten. Der Hobbyraum der Bude wurde von Bb Newton in eine Dunkelkammer umgewandelt und der TEG-Foto-Club gegründet, es wurden mehrere Rätselfahrten veranstaltet, es gab Quiz-Abende und auch die körperliche Ertüchtigung kam nicht zu kurz. Da es auf der Bude ausreichend Platz für einen eigenen Tischtennis-Tisch gab, konnten nicht nur Turniere abgehalten werden, sondern die BbBb trafen sich auch abseits der Veranstaltungen mit Freunden, um Ping-Pong zu spielen. Es wurden aber auch mehrmals Ski- und Segelwochenenden organisiert und sogar Fußball gespielt. Die sportlichen Aktivitäten kulminierten 1980 im TEW-Cup, der aus insgesamt 16 Bewerben – von Leichtathletik über Minigolf und Kegeln bis zu Schach und Schlägerstrecken – bestand.
Im Schuljahr 1979/80 beteiligte sich Tegetthoff an der Initiative des WStV einen Samstag-Schülerhort für Volksschüler mit der neuen 5-Tage-Woche anzubieten, um die Betreuung dieser Kinder von berufstätigen Eltern nicht nur den Roten Falken und den Kinderfreunden zu überlassen. Diese Aktion auf unserer Bude wurde auch im darauffolgenden Jahr fortgesetzt.
Diese Zeit war einerseits durch einen großen Fuchsenstall (mit bis zu 15 Füchsen) und zahlreiche Aktive, von denen die meisten tatsächlich noch Mittelschüler waren – aber auch durch eine starke Fluktuation – geprägt. Nur wenige der jungen Bundesbrüder konnten längere Zeit bei der Verbindung gehalten werden. Das bekannte 'Auf' und 'Ab' bei Verbindungen, natürlich auch bei Tegetthoff, dokumentiert sich durch zahlreiche Aktivitäten, denen Phasen mit Verbindungskrisen folgten. 1980 mussten einige Aktive dimittiert werden und 1982 war der CC sogar gezwungen, das aktive Chargenkabinett seiner Funktion zu entheben. Doch es gab genug Aktive, um das Verbindungsleben mit einem neuen ChC fortzusetzen. Beim Stiftungsfest im Juni 1982 wurde mit e.v. K.Ö.St.V. Normannia Wien und im März 1983 mit e.v. Raeto-Romania Landeck das Freundschaftsband getauscht.
Als im September 1983 der Besuch des Papstes Johannes Paul II. in Wien stattfand wurde im Anschluss an den EKV-Kommers in der Hofburg und die Europavesper am Heldenplatz am 10. September zum Ausklang eine Europakneipe geschlagen, bei welcher die Tegetthoff-Bude zum Bersten voll war. Die Veranstaltung war so erfolgreich, dass sie angeblich sogar in einer Tageszeitung Erwähnung fand.
Am 24. November 1984 wurde an die Fachstudentenschaft Tafelrunde Agraria am Francisco-Josephinum in Wieselburg deren AH-Verzeichnis übergeben. Dieses wurde von Bb Lucullus bei Aufräumungsarbeiten auf der Bude gefunden, es wurde für diesen Zweck eine spontane Couleurfahrt nach Wieselburg unternommen.
Zum 60. Stiftungsfest wurde am 15. Juni 1985 ein großer Festkommers mit 20 Gast-Chargierten und einer stattlichen Corona im Festsaal des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins (ÖIAV), im ehemaligen Palais Eschenbach, abgehalten. Damals zählte die Altherrenschaft 85 Mitglieder und die Aktivitas bestand aus 12 Mitgliedern, von denen 4 Füchse waren, wie aus der Festschrift, die aus Anlass des Jubiläums herausgegeben wurde, hervorgeht.
Auch in den Folgejahren ging es in der gewohnten Tonart weiter. Es gab einen regelmäßigen Budenbetrieb mit vielen schönen und erfolgreichen Veranstaltungen. Beispielsweise wurde in der Ferialis 1986 aus Anlass des 120. Jahrestages die erste Lissa-Kneipe geschlagen. Doch es folgten auch Durststrecken, wie nach dem Ausscheiden von mehr als dem halben Aktiven-Chargenkabinett im Sommer 1989. Danach ging es wieder bergauf und anlässlich des Weihnachtskommerses am 19. Dezember 1991 wurde der Bändertausch mit K.Ö.L. Josephina durchgeführt.
Da die Tegetthoffbude sehr geräumig ist, hat es immer wieder Verbindungen gegeben, die kurzfristig in ihr zur 'Untermiete' waren. Beispiele sind die bereits erwähnte K.Ö.L. Carolina, die K.Ö.L. Josephina, die C.A.B. Rheno-Danubia im RKDB und insbesondere die Damenverbindung C.Oe.a.St.V. Elisabethina im VCS, welche einen separaten Teil auf der Bude nutzte. Solange die christliche Damenverbindung Elisabethina in der Blechturmgasse bei Tegetthoff logierte, gab es die von 1994 bis 1999 recht aktive 'Interessensgemeinschaft Couleur Zentrum Blechturmgasse', (CZB), gebildet von Tegetthoff, Carolina, Elisabethina und den 'Freunden Elisabethinas'. In diesem Rahmen fanden Großveranstaltungen wie etwa Vorträge von Karl Fürst Schwarzenberg vlg. Kary und Karl von Habsburg vlg. Pan, aber auch gesellige Veranstaltungen auf der Tegetthoffbude statt.
1994 wurde auf unserer Bude ein Europa-Symposion mit sieben prominenten Diskussionsteilnehmern abgehalten. Bei den Wissenschaftlichen Abenden wurden nicht nur Lichtbildvorträge über diverse Reisen von Bundesbrüdern gezeigt, sondern wir konnten auch so manch bekannten Vortragenden begrüßen, wie z.B. Anfang 1995 Univ.Prof. Dr. Roland Girtler, um nur einen davon stellvertretend zu erwähnen.
Am 10. Juni 1995 feierte Tegetthoff den Festkommers zum 70. Stiftungsfest im Marmorsaal des Palais Schwarzenberg. Bb Kary hat dafür die Räumlichkeiten seines Palais unentgeltlich zur Verfügung gestellt. An der Veranstaltung nahmen 25 Gastchargierte teil und die Festrede hielt niemand geringerer als Bb Pan. Aus Anlass dieses Jubelfestes wurde auch um den päpstlichen Segen gebeten, der durch den Nuntius schriftlich übergeben wurde: 'Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. erteilte allen Mitgliedern der K.Ö.M.L. Tegetthoff anlässlich des 70. Stiftungsfestes von Herzen den Apostolischen Segen mit dem Wunsch, daß sie zu einem beständigen Wachstum in Glauben, Hoffnung und Liebe des Volkes Gottes beitragen. Wien, 10. Juni 1995.' Zu diesem Jubiläum wurden auf Initiative von BPh Prof. Ernst Exner vlg. Maestro auch vier Couleurkarten mit Tegetthoff-Motiven herausgegeben, die von vier verschiedenen Künstlern gestaltet wurden.
In den Folgejahren engagierte sich Tegetthoff wieder stark an caritativen Projekten. Bb Hagen und seine Gattin, Ks Beatrix (PRV) sammelten Spenden für die Rumänienhilfe, die sie gemeinsam mit einigen Bundesbrüdern mehrmals direkt zu den Empfängern brachten. Auch eine Hilfsaktion für die Kinderklinik in Czernowitz wurde von uns unterstützt.
Einen ungewöhnlichen 'Auslandseinsatz' hat die neue Fahne unserer Tegetthoff 1998 erlebt. In der Zeit von 17.-21. Juli 1998 wurde durch die 'Militärkanzlei der Traditionsregimenter, Bürger- und Schützenkorps' die Wiedererrichtung des 'Löwen von Lissa' gefeiert. Dabei handelt es sich um ein Denkmal auf der Insel Lissa (kroatisch Viš) zur Erinnerung an die dortige Seeschlacht, in welcher der Namensgeber unserer Verbindung als Sieger hervorging. Das Denkmal wurde 1867 zur Erinnerung an diese bedeutende Seeschlacht errichtet und während der italienischen Besetzung der Insel in den Jahren 1918 bis 1921 von diesen abgebaut und als Kriegsbeute im Park der Accademia Navale in Livorno aufgestellt, wo es noch heute steht. Der leider zu früh verstorbene Alexander Sixtus von Reden (1952-2004, Ö.St.V. Ottonia) hat sich als Gründer und Leiter der Militärkanzlei für die Wiedererrichtung dieses Denkmals bemüht.3) Unter großer medialer Berichterstattung und Beteiligung zahlreicher Traditionsvereine und Vertretern der kroatischen Kriegsmarine wurde eine maßstabgetreue Kopie des Löwen an alter Stelle wiedererrichtet. Unsere Tegetthoff war mit den Bundesbrüdern Hagen, als Chargierter in Vollwichs mit Fahne und DDr.cer. Brutus als Couleurbedeckung vertreten.
1999 wurde nicht nur der Kneipraum renoviert und ein Kasten mit einer Vitrine für die neue Verbindungsfahne aufgestellt, sondern Tegetthoff 'bezog' erstmals auch einen virtuellen Raum und präsentierte ihre eigene Homepage. Einer der couleurstudentischen Höhepunkte dieses Jahres war die Österreich-Kneipe, die gemeinsam mit den anderen Wiedner Verbindungen auf unserer Bude geschlagen wurde und an der Vertreter von insgesamt 13 Korporationen, darunter auch drei Mädchenverbindungen, teilnahmen.
Auch das 75. Stiftungsfest wurde am 28. Mai 2000 wiederum bei Bb Kary im Palais Schwarzenberg mit einem Festkommers und einer zahlreichen Schar an Gastchargierten begangen. Die Festrede zum Thema 'Österreich und Europa' wurde von Dr. Erhard Busek gehalten. Mehr als 100 Bundes- und Kartellbrüder und –schwestern sowie Damen und Gäste haben an der Veranstaltung teilgenommen. Dieser Kommers war so faszinierend, dass der junge Aktive, der dazu auserkoren war mit dem Budenbuch herumzugehen, ganz darauf vergessen hat und andere Bundesbrüder nach Ende dem Letzten Allgemeinen verzweifelt versucht haben noch einige Unterschriften zu ergattern.
Anfang des neuen Jahrtausends wurde ein Tischfußballtisch angeschafft und auf der Bude aufgestellt. Er sorgte für Abwechslung bei Budenabenden und nach Veranstaltungen und gelegentlich wurden auch Wuzlerturniere abgehalten. Ein technisches Detail und heute anachronistisch anmutendes Kuriosum am Rande darf nicht vergessen werden. Das Festnetztelefon auf der Bude wurde mit 31. Dezember 2004 abgemeldet.
Zum 80. Stiftungsfest wurde 2005 von Dr.cer. Mauritius als Finanzierungshilfe eine Serie von drei Briefmarken mit Flaggenmotiven aufgelegt, welche neben der Verbindungsfahne die Admiralsflagge und die Dienstflagge der k.u.k. Kriegsmarine zeigten. In den Folgejahren wurden aus Anlass des 140. Jahrestages der Seeschlacht zu Lissa und der ersten österreichischen Weltumseglung im Jahr 1857 je drei weitere Motive herausgebracht, denen später noch einige einzelne Marken folgten.
Auch noch in den 2000er Jahren gelang es der Verbindung immer wieder, ein Aktiven- und ein Philister-Chargenkabinett zu bilden. Leider gelang es aber nicht, junge aktive Mittelschüler für die Verbindung zu gewinnen und die vorhandenen Aktiven auf Dauer in der Korporation zu halten. Das Personalproblem des Mangels an jungen Aktiven führte schließlich zu gravierenden Änderungen. Der CC vom 24. September 2009 hat beschlossen, das Aktiven- und das Altherren ChC zusammenzulegen. Das war noch ein Zeichen des letzten Versuchs, den Aktivenbetrieb aufrechtzuhalten – jedoch vergeblich. Der CC vom 20. Jänner 2010 hat beschlossen, die Aktivitas mit Ablauf WS 2009/10 zu sistieren. Die Semesterschlusskneipe am 30. Jänner 2010 war daher die letzte 'aktive' Couleurveranstaltung Tegetthoffs.
Dennoch gab es weiterhin wöchentliche Veranstaltungen und auch interessante Vorträge, wie z.B. jenen von Kb Prof. Gerhard Tötschinger vlg. Perikles (BDB, Ca), um nur einen davon zu erwähnen. Auch hat Tegetthoff auf Betreiben des damaligen Philister-Senior- Lucullus ein couleurstudentisches Curiosum geschafft. Anlässlich des 85. Stiftungsfestes 2010 wurde mit der Freundschaftsverbindung Raeto-Romania zu Landeck ein 50-Semester-Freundschaftsband getauscht.4) Kurios und ungewöhnlich, dass ein lang zurückliegender Bändertausch mit dem Austausch von Jubelbändern bestätigt wird. Ein diesbezüglicher Beitrag findet sich auch in der Zeitschrift des MKV 'Couleur'.
2012 gelang es uns auch wieder einmal einen großen Couleurausflug zustande zu bringen. Aus Anlass des 185. Geburtstages unseres Namenspatrons besuchten wir seine Geburtsstadt Marburg, welche in diesem Jahr auch Kulturhauptstadt war. Schon auf der Anreise machten wir in Graz halt, um das Tegetthoff-Denkmal zu besichtigen und einen Kranz bei seiner letzten Ruhestätte, in die er vor 140 Jahren umgebettet wurde, niederzulegen. Nach einem Treffen mit Kartellbrüdern unserer Freundschaftsverbindung e.v. Alpinia Styria Graz und einem Besuch der Garnisonskirche, in der die Schiffsglocke der SMS Tegetthoff hängt, setzten wir die Fahrt fort, um am nächsten Tag das eigentliche Ziel der Reise zu besichtigen.
Mit der Zeit hat der Elan der Altherrenschaft nachgelassen und die Besucher wurden weniger, weshalb wir uns entschlossen die Anzahl der Veranstaltungen auf einen etwa 14-tägigen Rhythmus zu reduzieren. Da Carolina ähnliche Probleme hatte, wurden überdies die meisten Veranstaltungen zusammengelegt, sodass jede der beiden Korporationen nur mehr etwa einen Abend pro Monat auf der eigenen Bude zu organisieren hatte. Diese Synergien wurden auch bei den beiden Verbindungszeitungen genutzt, welche schon seit Jahren von DDr.cer. Raffael alleine gestaltet wurden. Ab Ende 2012 erschienen 'Tegetthoffs-Bordjournal' und 'Carolinas Nachrichten' abwechselnd mit gemeinsamen Inhalten. Diesbezügliche Details kann man in der separaten Chronik nachlesen.
Das 90. Stiftungsfest wurde auf der Bude e.v. K.Ö.H.V. Rugia gefeiert, welche bis auf den letzten Platz gefüllt war. Bei diesem Anlass wurden jene Bundesbrüder, die seit dem Reaktivierungsjahr 1953 dabei waren, mit dem 125-Semester-Jubelband geehrt.
Auf eine Initiative von Bb Ivo, begeht Tegetthoff seit 2016 alljährlich am 20. Juli, den Tag der Seeschlacht bei Lissa 1866, wieder mit einer 'Lissa-Kneipe' zu Ehren des dabei siegreichen Namenspatrons der Verbindung, Viceadmiral Wilhelm von Tegetthoff. Die Lissa-Kneipe ist mittlerweile ein fixer Veranstaltungspunkt zu dem wir alljährlich viele Gäste begrüßen dürfen.
Im Februar 2020 erhielt die Verbindung ein altes wundervolles und funktionierendes Klavier geschenkt. Aufgrund der Corona-Krise war es bisher leider nicht möglich, dieses in würdiger Form einzuweihen und zur Unterhaltung bei Veranstaltungen einzusetzen. Es ist uns aber Beruhigung und Ansporn, verbunden mit dem Band des studentischen Gesangs auch in Zukunft wirken zu können. Auch das 95. Stiftungsfest konnte pandemiebedingt nicht termingerecht gefeiert werden und musste auf 2021 verschoben werden.
Die Sistierung und damit verbundene Einstellung des Aktivenbetriebs bedeutete nicht das Ende der Korporation. Tegetthoff sieht sich heute als eine florierende und aktive Altherren-Verbindung. Wenige, aber gute Veranstaltungen sorgen für ein regelmäßiges Verbindungsleben, das manche aktive Korporationen nicht haben. Für uns alle ist es Lohn, das Prinzip Amicitia in unserer Gemeinschaft Tegetthoff erleben zu dürfen.
DDDr.cer. Brutus
Lucullus
DDr.cer. Raffael

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1) Für diese Ausarbeitung wurden die Ausgaben der Verbindungszeitungen herangezogen, aber auch die persönlichen Erinnerungen der Autoren.
2) Peter Krause. Studiosus Austriacus. Handbuch des österreichischen Korporationswesens. Wien, 2007. Seite 201.
3) Alexander Sixtus von Reden (Hrsg.).Vivat Lissa! Die Wiederkehr des Löwen. Wien, 1999. Unsere Verbindung findet sich mehrfach in diesem Buch. Beispielsweise auf Seite 35 mit einer Couleurkarte, auf Seite 107 im Text, auf Seite 109 findet sich ein Foto unsere Fahne, auf Seite 116 ein Foto unserer beiden Bundesbrüder mit Fahne, auf Seite 153 das auch an uns übergebene Fahnenband, auf Seite 189 und 190 zwei Seiten der Sondernummer unserer Verbindungszeitung 'Tegetthoff´s Bordjournal'. Seite 56 zeigt ein Foto vom Begräbnis unserer Kaiserin Zita, im Fahnenblock befanden sich auch die Chargierten unserer Verbindung.
4) Couleur. Zeitschrift des Mittelschüler-Kartell-Verbandes. Wien, Nr. 04/2010. Blauer Teil, Seite III.
zuletzt geändert: 28.06.2021 um 21.25 Uhr