Nummer 10/2022
Wo ich geh und steh

stoße ich in Graz nicht nur auf Erinnerungen an Erzherzog Johann, sondern auch an den Namenspatron der Tegetthoff.


Das Herzogtum Steiermark gehört seit dem 13. Jahrhundert zu den Erblanden des Hauses Österreich. Allerdings war es zur Zeit der Habsburger so wie der Rest unseres Vaterlandes größer als heute und umfasste auch Teile des heutigen Slowenien. Zu diesem Territorium gehörte auch die Stadt Marburg in der Wilhelm von Tegetthoff geboren wurde, der somit ein Steirer war. Daher sind in Graz besonders viele Erinnerungen an unseren Namenspatron zu finden: Er wurde zwar ursprünglich am Matzleinsdorfer Friedhof (dem heutigen Waldmüllerpark) in Wien begraben, aber schon ein Jahr später, im Jahr 1872 also vor 150 Jahren wurde sein Leichnam nach Graz überführt und im Familiengrab am Friedhof St. Leonhard beigesetzt. Fährt man von der Grazer Innenstadt zu seinem Grab, kommt man am Tegetthoffplatz vorbei, auf dem sein Denkmal steht, das nach dem Zerfall der Monarchie vom Österreichischen Marineverband aus Pola nach Graz übersiedelt und 1936 dort aufgestellt wurde. Fährt man vom Zentrum der Stadt nach Westen überquert man die Mur auf der Tegetthoffbrücke und kommt zur ehemaligen Garnisonkirche (heute Barmherzigenkirche), in der sich die Schiffsglocke des Schlachtschiffs SMS Tegetthoff befindet. Weiters findet man im Bezirk Gries auch noch eine Lissagasse, welche aber genauso unspektakulär ist, wie die gleichnamige Insel, vor der die bedeutendste Seeschlacht der österreichischen Marinegeschichte stattfand.

Mit dem für die Steiermark sehr bedeutenden, eingangs erwähnten Erzherzog Johann gab es wiewohl sich die Lebensdaten der beiden überschneiden vermutlich keine persönlichen Berührungspunkte, da dieser bereits 1859 verstarb, bevor der 1827 geborene Tegetthoff der sich die meiste Zeit auf verschiedenen in der Adria stationierten Schiffen aufhielt und daher lange Jahre nicht einmal seine in Graz lebenden Eltern besuchen konnte seine militärischen Erfolge feierte. Auch ob er dabei mit Morillon oder Schilcher aus einem der Weingüter des Erzherzogs anstieß ist (zumindest mir) unbekannt. Dafür konnten zumindest die bei der Steirerkneipe am 22.11.2022 anwesenden Bundesbrüder und Gäste mit einem Glas Steirischen Junker (Jungwein) namens Erzherzog Johann anstoßen, sofern sie nicht dem an diesem Abend angebotenen steirischen Bier aus Murau (wo Bb Kary ein Schloss hat) den Vorzug gaben. Als Unterlage wurde von Couleurdame Margarethe eine gschmackige steirische Brettljause zubereitet, welche aufgrund der verfügbaren Mittel jedoch auf einem Teller serviert werden musste, was aber den kulinarischen Genuss keineswegs schmälerte.

Ergänzend dazu war die Bude, wie bereits in der Ankündigung angedeutet, besonders dekoriert. Der Autor dieser Zeilen hat weder Kosten, noch Mühen gescheut und den Grazer Uhrturm (in leicht verkleinerter Form) hinter dem Präsidium platziert, damit die Kneipe 'im Schatten des Uhrturms' geschlagen werden konnte. Wunschgemäß waren auch die meisten Teilnehmer in Trachtenkleidung erschienen. Obwohl sich einige Bundesbrüder, die persönlich einen starken Bezug zur Steiermark haben oder gar Mitglieder unser Freundschaftsverbindung KÖML Alpinia-Styria sind, entschuldigt hatten, war der Besuch besser als erwartet. Dafür erwartete die Teilnehmer der Kneipe etwas Besonderes: Unser Brandfuchs Dante durfte zum ersten Mal eine Kneipe schlagen. Damit nichts schiefgeht platzierte sich sein Leibbursch, der hohe Phil-x Lucullus in seiner Nähe, um bei Bedarf zu soufflieren. Zur Begrüßung wurde in Anspielung auf die 'grüne Mark', welche ja auch bei Wanderern sehr beliebt ist, 'Im Krug zum grünen Kranze' gesungen. Zum nächsten Programmpunkt wurde der Cantus 'Träumend sah vom Schlossberg nieder' intoniert, bei dem die Corona irrtümlich in die Melodie der MKV-Hymne verfiel, welche von der Silbenanzahl genau passt. Nach eine kurzen Rede meinerseits, in der ich in kurzer Form die oben erwähnten Beziehungen von Graz und Tegetthoff darlegte, durfte Ph-xx2 Ivo, der auch Mitglied e.v. Carolina Graz im ÖCV ist, die dritte Strophe anstimmen, wodurch wir es schafften diesmal die richtige Melodie zu singen. Danach feierten wir unseren Brandfuchsen, der wenige Tage zuvor 50 Jahre alt geworden war, mit dem Lied 'Ich war Brandfuchs noch an Jahren' und Margarethe servierte dem Geburtstagskind und der Corona zum kulinarischen Abschluss eine Kernöl-Torte. Nach Ende des gut gelungenen Offiziums verabschiedete sich der Großteil der Anwesenden wie gewohnt relativ rasch, aber ein paar Bundesbrüder und ein Gast verweilten noch etwas länger, um die Vorräte an steirischen Bier ihrer widmungsgemäßen Verwendung zuzuführen.
Text und Bild: DDr.cer. Raffael
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zuletzt geändert: 29.11.2022 um 22.27 Uhr